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Brief an die Gemeinden

Bischof Ulrich ruft zur Solidarität mit Opfern sexuellen Missbrauchs auf

26.07.2010 | Kiel (tk). Bischof Gerhard Ulrich hat zur Solidarität der Kirche mit den Opfern sexualisierter Gewalt aufgerufen. „Es muss uns bewusst bleiben, welche körperliche und seelische Grausamkeit sexueller Missbrauch ist“, schreibt der Vorsitzende der Nordelbischen Kirchenleitung in einem Brief, der zum Wochenende an alle nordelbischen Gemeinden verschickt wurde.

Bischof Gerhard Ulrich
Bischof Gerhard Ulrich

Die Täter müssten „mit allen rechtlichen Mitteln zur Verantwortung gezogen werden“. Der Bischof nahm in dem Brief vor allem Bezug auf die Vorwürfe sexuellen Missbrauchs in der Kirchengemeinde Ahrensburg. „Die Nordelbische Kirche hat ihren Anteil an Schuld gegenüber den Opfern – und sie trägt daran. Wir haben Verantwortung zu übernehmen und Buße zu tun!“ Zugleich rief er zum Gebet für die Menschen auf, „die in dieser schweren Zeit leiden, bangen und hoffen“.

Die Missbrauchsvorwürfe in Ahrensburg werden laut Bischof Ulrich in gegenwärtig geordneten Verfahren geklärt und aufgearbeitet. So seien gegen den Hauptbeschuldigten sowie gegen einen zweiten Ruhestandspastor Disziplinarverfahren eingeleitet worden. Die Staatsanwaltschaft sei von Anfang an informiert worden. In Kürze werde außerdem ein Zwischenbericht vorgelegt, der zu der Frage Stellung nehme, welche Informationen über Missbrauchsvorwürfe 1999 in welcher Form weitergegeben worden seien. Darüber hinaus gebe es seit Mai Gespräche von Kirchenvertretern mit den Opfern.

Vorwürfe sexuellen Missbrauchs müssten künftig ernster genommen werden, so der Bischof. „Es darf kein schamhaftes Schweigen über solche Vorfälle geben.“ Zudem müssten die innerkirchlichen Verfahrenswege auf allen Ebenen überprüft werden. „Ziel muss es sein, dass Informationen ungefiltert und vertraulich an alle zuständigen Stellen gelangen.“ Der Bischof betonte: „Ich lehne alle Versuche ab, Missstände und Fehler zu vertuschen.“ Allerdings seien die schlimmen Vorfälle in Ahrensburg kein Hinweis darauf, dass die kirchlichen Strukturen grundsätzlich nicht funktionierten.

„Aus meiner Sicht waren die Nachforschungen sowohl von Seiten des Kirchenamtes als auch von Seiten der Opfer und der Presse richtig und wichtig“, so Bischof Ulrich. „Es muss möglichst klar und transparent werden, was geschehen ist. Allerdings war und ist es höchst problematisch, dass es auch zu öffentlichen Vorverurteilungen gekommen ist.“ Die verständliche Forderung nach Aufklärung dürfe nicht dazu führen, dass für ein geordnetes Verfahren keine Zeit gelassen werde.

Bischof Ulrich nahm auch erneut Stellung zum Rücktritt von Bischöfin Maria Jepsen. Sie selbst habe diesen Schritt damit erklärt, dass ihre Glaubwürdigkeit angezweifelt werde. „Ich möchte noch einmal unterstreichen, was ich dazu gesagt habe: Bischöfin Jepsen hat mit ihrem Rücktritt Verantwortung für etwas übernommen, das ihr in keiner Weise als persönliche Schuld angelastet werden darf.“

Entschieden nahm Bischof Ulrich die Nordelbische Kirche vor pauschalen Verdächtigungen in Schutz. „Der Dienst der vielen Haupt- und Ehrenamtlichen zum Beispiel, die jetzt in den Ferienwochen mit Hunderten von Kindern und Jugendlichen auf Reisen und Freizeiten sind, darf nicht in den Schatten der Taten geraten, die uns umtreiben.“



 

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