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Liebe auf den ersten Ton

Teenager entdecken Leidenschaft für meisterhafte Instrumente

30.07.2010 | Stade. Manchmal stöhnen die Pfeifen, manchmal klackern die Ventile. Dann wieder zieren sich die Tasten und wollen kräftig gedrückt werden, damit überhaupt ein Ton kommt.

Kein Zweifel: Das Ding lebt. Neugierig sitzt eine Gruppe Jugendlicher vor der fast 300 Jahre alten Orgel in der Stader St.-Wilhadi-Kirche bei Hamburg. Gemeinsam entdecken sie beim "Jugend-Orgelforum" das meisterhaft gebaute Barock-Instrument. Die Begegnung zwischen Alt und Jung ist für viele von ihnen Liebe auf den ersten Ton.

Die evangelischen Kirchenmusiker in Deutschland versuchen mit Projekten dieser Art, neue Wege zur Nachwuchsförderung zu gehen. So proben nun in Stade bis Montag 19 Kinder und Jugendliche unter professioneller Begleitung auf den historischen Orgeln der Innenstadt-Kirchen St. Wilhadi und St. Cosmae. Die meisten Teilnehmer haben Vorerfahrungen.

"Zuhause haben sie den Fiat, hier dürfen sie den Mercedes fahren", vergleicht Martin Böcker, Kirchenmusiker und künstlerischer Leiter der Stader Orgelakademie. Nicht nur für Mahdi Safari aus Horneburg ist der Kurs auch deshalb ein Sommerparadies der besonderen Art. "Das ist was Großes", sagt der 14-Jährige.

Viele haben eigene Noten mitgebracht und wollen die Stücke nun unter Anleitung vertiefen. Vor der Probe werden Sandalen und Chucks gegen Lederschuhe gewechselt, mit denen sich besser auf der Fuß-Klaviatur spielen lässt. Mit spürbarem Respekt nähern sie sich dann den wertvollen denkmalgeschützten Instrumenten. "Dass wir hier ran dürfen, finde ich ganz toll", freut sich die 18-jährige Jennifer Pukall aus dem kleinen Ort Hattorf bei Wolfsburg.

Nach ihrem Abitur im nächsten Jahr will sie Musik studieren. Zu Hause hat sie einen Schlüssel für die kleine Kirche in ihrem Dorf und übt dort, so oft es geht. "Wenn ich Stress habe, mach' ich erst mal Musik - das ist wie Energie tanken", erzählt Jennifer. In ihrer Schule wird sie für diese Leidenschaft schon mal ausgelacht. Hier eint die Gruppe die Liebe zum Orgelspiel und zur klassischen Musik.

Wenn ein Choral eingeübt wird - ein Stück, zu dem die Gemeinde singt - geht es im Kurs trotz aller Vorkenntnisse der Teilnehmer durchaus um Grundsätzliches: "Langsam spielen, damit du die Übersicht behältst", rät Orgelexperte Böcker, der zusammen mit seinen Kollegen Hauke Ramm und Annegret Kleindopf die Übungsstunden begleitet. "Und Pausen machen, damit die Gemeinde Luft holen kann. Sind ja schließlich keine Amöben, die ohne Sauerstoff auskommen."

Für Böcker ist das Forum nicht nur Nachwuchsförderung. Ihm und der Stader Orgelakademie geht es darum, den kulturhistorischen Wert alter Orgeln zu vermitteln. Denn die Region entlang der Nordseeküste von der Elbe bis in die Niederlande hinein zählt unter Experten mit ihrer Vielzahl historischer Instrumente zu den bedeutendsten Orgellandschaften der Welt. "Hier haben früher schon die Meister gespielt", denkt Mahdi zurück und schwärmt: "Schon krass, dass ich jetzt hier sitze."

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