Schnell-Leiste

Zehn Jahre "Target"

Rüdiger Nehbergs Kampf gegen die Genitalverstümmelung

29.07.2010 | Hamburg. Der weltweite Kampf gegen die weibliche Genitalverstümmelung ist zur Lebensaufgabe des Hamburger Abenteurers Rüdiger Nehberg (75) geworden.

Vor zehn Jahren, am 5. August 2000, gründete er gemeinsam mit seiner heutigen Frau Annette (50) den Menschenrechtsverein "Target". Vieles, was vor zehn Jahren noch Vision war, sei heute Wirklichkeit geworden, sagt Nehberg in seiner Bilanz. Als seinen größten Erfolg sieht er die "Fatwa von Kairo", in der 2006 höchste Islamgelehrte den blutigen Brauch als "Verbrechen" ächteten.

Die Genitalverstümmelung von Frauen ist nach Angaben des Vereins noch in 35 Ländern in Afrika und Asien üblich. 140 bis 150 Millionen Frauen sind verstümmelt, und täglich kommen 8.000 neue Opfer hinzu. Meist sind es Muslimas, denen Teile der äußeren Genitalien mit Rasierklingen ohne Narkose entfernt würden. Der blutige Brauch werde missbräuchlich mit dem Islam gerechtfertigt, sagt Nehberg. "Obwohl dazu nichts im Koran steht." Die Abschaffung, so seine Überzeugung, könne also nur gemeinsam mit Vertretern des Islam gelingen.

Derzeit baut "Target" in der Danakilwüste in Äthiopien mit Hilfe von deutschen Frauenärzten eine Geburtshilfestation. Damit soll vor allem den Frauen der Afar, einem Volksstamm von Halbnomaden, geholfen werden. Viele von ihnen sind stark verstümmelt, und die Säuglingssterblichkeit als Folge liegt bei 50 Prozent. Seit 2004 existiert hier bereits eine fahrende Krankenstation, in der Kaiserschnitte und andere Operationen allerdings nicht möglich sind.

Außerdem organisiert "Target" eine Aufklärungskampagne. Das in Kunstleder gebundene "Goldene Buch" mit der "Fatwa von Kairo" wird an die Vorbeter der Moscheen verteilt. Der Wüstenstaat Mauretanien hat bereits 2008 eine erste Lieferung erhalten. In Djibouti ist die Aktion ebenfalls gestartet, in Somaliland und im Sudan wird sie vorbereitet. Für Äthiopien hat die Umweltstiftung "Bingo" 23.250 Bücher in den Stammessprachen Afaraf und Somali finanziert.

Nehberg ist Konditormeister, hat seine Läden in Hamburg aber 1990 aufgegeben. Er kämpfte unter anderem 20 Jahre lang für die Rechte der brasilianischen Yanomami-Indianer, überquerte auf einem Baumstamm den Atlantik und lief 1.000 Kilometer ohne Nahrung durch Deutschland. Heute lebt er in Rausdorf, einem schleswig-holsteinischen Ort bei Hamburg. Ein Ziel habe er noch in seinem Leben, verrät Nehberg. Gegen die Genitalverstümmelung möchte er gemeinsam mit dem saudischen König Abdallah ein Banner auf dem heiligen Platz in Mekka aufstellen.

Fotoausstellung eröffnet

Arme fotografieren Armut

Kiel. Unter dem Titel "Ungeschminkt" ist am Donnerstag in Kiel eine Ausstellung zur Armut eröffnet worden, für die Arme und Obdachlose selbst die Fotos geliefert haben. 02.09.2010 | lesen...

China Time 2010

In Hamburg: China ganz nah

Hamburg. Zweieinhalb Wochen feiert Hamburg die "China Time 2010". Vom 9. bis 25. September stehen rund 200 Veranstaltungen auf dem Programm dieser Senatsinitiative, die 2006 gegründet wurde und in diesem Jahr bereits zum dritten Mal stattfindet. 02.09.2010 | lesen...

Abschiedsbrief der Bischöfin

Maria Jepsen will Hamburg verlassen

Die Hamburger Bischöfin Maria Jepsen bei einem Festgottesdienst (2009) in der Johann-Gerhard-Oncken-Kirche in Hamburg.Hamburg. Erstmals nach ihrem Rücktritt am 16. Juli hat sich die bisherige Hamburger Bischöfin Maria Jepsen (65) zu ihren Beweggründen geäußert. 01.09.2010 | lesen...