Schnell-Leiste

Evangelische Militärseelsorge

Klares Konzept für Afghanistan-Einsatz gefordert

09.03.2010 | Lüneburg (epd). Die evangelischen Militärseelsorger in Deutschland haben einen konkreten Plan für den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr gefordert.

Militärseelsorger © epd-bild / Thomas Lohnes
Militärseelsorger © epd-bild / Thomas Lohnes

"Wir brauchen ein Konzept mit klaren erfüllbaren und erreichbaren Zielen", sagte Militärbischof Martin Dutzmann am Montag in Lüneburg bei der 55. Gesamtkonferenz evangelischer Militärgeistlicher in Lüneburg.

Die bisherige Konzeption der Bundesregierung sei "sehr grobmaschig gestrickt" und weise Lücken auf: "Sie lässt nicht erkennen, unter welchen Bedingungen der Abzug gedacht werden kann."

Der Bundestag brauche für seine Entscheidungen über den Einsatz zum Beispiel genaue Kriterien, wie viele Richter oder Lehrer es in einer Stadt bis zu einem bestimmten Zeitpunkt geben oder welche Gebäude dort stehen sollten, sagte Dutzmann. Der Erfolg müsse überprüfbar sein. "Wenn wir einfach so weiter machen wie bisher, droht die ethische Legitimation des Einsatzes verloren zu gehen", betonte der Militärbischof.

Bei der Konferenz beraten etwa 100 Militärseelsorger aus ganz Deutschland bis zum Freitag über aktuelle Fragen ihrer Arbeit.

Die Wandlung der Bundeswehr von einer Bündnis- und Verteidigungsarmee zu einer Einsatzarmee stellt nach den Worten des Kieler Militärdekans Armin Wenzel die Militärpfarrer vor eine personelle Belastungsprobe. Von den 100 Seelsorgern seien derzeit etwa 20 pro Jahr in einem mehrmonatigen Auslandseinsatz. Das reiße Lücken in den Heimatkasernen. In Seelsorge und Ethik erhielten die Themen Sterben, Tod und Töten einen immer größeren Stellenwert.

Wenzel und Dutzmann begrüßten es, dass der lebenskundliche Unterricht für Soldaten unabhängig von Konfession und Religion seit 2009 verbindlich und nicht mehr nur freiwillig sei. "Eine Einsatzarmee, wie sie die Bundeswehr inzwischen ist, muss so etwas haben", sagte Dutzmann.

Dutzmann begrüßte ausdrücklich, dass die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, zum Jahreswechsel eine Debatte über die Ziele des Einsatzes angestoßen hatte. Auch nach dem Rücktritt Käßmanns vor zwei Wochen müsse das Gespräch darüber fortgeführt werden.

"Diese Gesellschaft muss darüber diskutieren: Wo ist eigentlich die Bundesrepublik bereit, Menschenleben aufs Spiel zu setzen?" Viele Soldaten hätten das Gefühl, die Gesellschaft trage den Einsatz nicht mit.

Der Militärbischof und die Spitze der EKD hatten Ende Januar in einer Erklärung den Vorrang des zivilen vor dem militärischen Engagement in Afghanistan gefordert. Wenig später hatte die Bundesregierung die Mittel für den zivilen Aufbau nahezu verdoppelt.

Dutzmann betonte, die Militärseelsorge sei in einem ständigen und guten Gespräch mit den politisch Verantwortlichen. Keinesfalls werde die Kirche aus symbolischen Gründen ihre Seelsorger aus Krisengebieten abziehen: "Wenn unsere Soldaten in den Irak gemusst hätten, dann hätten wir das politisch für falsch gehalten, wären aber trotzdem mitgegangen."



 

Weitere Nachrichten:

St. Michaelis Hamburg

Henning Scherf: Wohin mit den Alten?

02.09.2010 | lesen...

Suizidprävention

Bürgerbeauftragte fordert Ausbildung

01.09.2010 | lesen...

Kirchenkreis Ostholstein

Propst Otto-Uwe Kramer 20 Jahre im Amt

01.09.2010 | lesen...

Bildungszentrum Arca

Ausstellung afrikanischer Kunst

01.09.2010 | lesen...

Zentralrat Sinti und Roma

Integration gefordert

30.08.2010 | lesen...

St. Nikolai

Hamburger Knabenchor wird 50

30.08.2010 | lesen...

Nordelbische Kirche

Altbischof Knuth wird 70 Jahre alt

30.08.2010 | lesen...

Margot Käßmann:

"Sarrazins Äußerung menschenverachtend"

27.08.2010 | lesen...

Evangelische Zeitung

Gehorsam: Eine Gratwanderung

26.08.2010 | lesen...

Aktion "WunschNacht"

Einmal auf dem Michel schlafen

25.08.2010 | lesen...

  • Datum 09.03.2010
  • Artikel Drucken | PDF | empfehlen
Fotoausstellung eröffnet

Arme fotografieren Armut

Kiel. Unter dem Titel "Ungeschminkt" ist am Donnerstag in Kiel eine Ausstellung zur Armut eröffnet worden, für die Arme und Obdachlose selbst die Fotos geliefert haben. 02.09.2010 | lesen...

China Time 2010

In Hamburg: China ganz nah

Hamburg. Zweieinhalb Wochen feiert Hamburg die "China Time 2010". Vom 9. bis 25. September stehen rund 200 Veranstaltungen auf dem Programm dieser Senatsinitiative, die 2006 gegründet wurde und in diesem Jahr bereits zum dritten Mal stattfindet. 02.09.2010 | lesen...

Abschiedsbrief der Bischöfin

Maria Jepsen will Hamburg verlassen

Die Hamburger Bischöfin Maria Jepsen bei einem Festgottesdienst (2009) in der Johann-Gerhard-Oncken-Kirche in Hamburg.Hamburg. Erstmals nach ihrem Rücktritt am 16. Juli hat sich die bisherige Hamburger Bischöfin Maria Jepsen (65) zu ihren Beweggründen geäußert. 01.09.2010 | lesen...

Diakonie

Kostenlose Pflege-Beratung

Hamburg. Die Hamburger Diakonie übernimmt die Hamburger Angehörigenschule in ihre Trägerschaft und sichert damit ihre Finanzierung. 01.09.2010 | lesen...