Kirche und Diakonie feierten 200. Geburtstag des Sozialpioniers Wichern im Hamburger Michel
20.04.2008 | Hamburg (epd). Mit einem Festgottesdienst im Hamburger Michel haben Kirche und Diakonie am Sonntag das Lebenswerk des Hamburger Theologen Johann Hinrich Wichern gewürdigt.
Er habe "Großes angestoßen und einen Lebensstein ins Rollen gebracht", sagte Bischöfin Maria Jepsen in ihrer Predigt zum 200. Geburtstag des Gründervaters der Diakonie.
Wichern wurde am 21. April 1808 in Hamburg geboren. Nach dem Studium der Theologie gründete er bereits mit 25 Jahren das "Rauhe Haus" für verwahrloste Jugendliche in Hamburg. Mit 40 folgte die Hamburger Stadtmission, mit 50 das Berliner Johannesstift. Seine berühmte Stegreifrede auf dem Kirchentag 1848 in Wittenberg führte zur Gründung des Diakonischen Werks. Wichern starb am 7. April 1881 in seiner Heimatstadt.
Die tätige, rettende Liebe sei die Grundmelodie seines Lebens gewesen, sagte Jepsen. Wicherns Engagement habe dem einzelnen Menschen gegolten, Kindern und Schwachen, Kranken und Gefangenen, Ausgegrenzten und Heimatlosen. Für diese Liebes-Arbeit habe er Strukturen geschaffen, die heute in vielen Arbeitsfeldern professionell fortbestünden: "Von Hamburg aus sind Weichenstellungen für die ganze Kirche und Gesellschaft erfolgt", sagte die Bischöfin.
Hamburgs Diakoniechefin Annegrethe Stoltenberg enthüllte in dem Festgottesdienst die Skulptur des Potsdamer Bildhauers Carl Constantin Weber zum Thema "Wichern", die künftig auf dem Gelände des "Rauhen Hauses" in Hamburg stehen soll. Kultursenatorin Karin von Welck (parteilos) überbrachte Grüße des Hamburger Senats.
Wichern habe seinen Auftrag in Mission, Unterricht, Seelsorge und Diakonie immer vom "Herrn der Kirche" her gesehen, so Jepsen weiter. Angesichts dieser Grundausrichtung gebe es jedoch noch heute manche Zustände, die ihm zu schaffen machen würden.
Die Bischöfin nannte die Spaltung der Gesellschaft, in der Menschen keine eigene Wohnung bezahlen könnten und in der es zum Straßenbild gehöre, dass in Papierkörben nach Essensresten oder Pfandflaschen gesucht werde. "Gibt es das Bewusstsein von Sünde, wenn Manager sich unvorstellbare Gehälter und Abfindungen auszahlen lassen und Arbeitende keinen Mindestlohn erhalten oder kalt entlassen werden?", fragte sie.
Im Anschluss an den Gottesdienst fand ein Empfang in der Krypta des Michel statt. Hier hatte auch ein Sonderpostamt für den Verkauf der Sonderbriefmarke zum Wichernjahr geöffnet. Die 55-Cent-Marke zeigt Wicherns Kopf neben dem weißen Kreuz der Diakonie auf blauem Grund
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